1-Watt-Verstärker

1-Watt-Verstärker

Das ist der erste Verstärker gewesen, den ich gebaut habe. Er hatte eine recht bescheidene Leistung von einem Watt. Aber es gab damals auch noch Bauanleitungen für Verstärker mit 100 mW, doch mit einem entsprechenden Lautsprecher kann man damit auch ganz schön Krach machen.
Wie beim Detektorempfänger hat mir auch hier mein Onkel geholfen. Heute gibt es für solche Endstufen Schaltkreise, die mit einigen wenigen Bauteilen drumherum das gleiche liefern wie diese Endstufe, aber Mitte der 1970er Jahre war das anders. Zum Zeitpunkt des Baus gab es selbst den A211 (2-Watt-Verstärker-IC) noch nicht. Damals war es schon fortschrittlich, daß in der Schaltung Silizium-PNP-Transistoren verwendet wurden und nicht Germanium-Transistoren. In der damaligen DDR wurden zu der Zeit nämlich nur Silizium-NPN-Transistoren hergestellt, wie die hier verwendeten SF127. Für die komplementären PNP-Transistoren mußte man auf ausländische Typen zurückgreifen. In der vorliegenden Schaltung wurden KF517 von Tesla aus der damaligen CSSR verwendet. Dieser paßte von den Daten recht gut zum SF127.

Zur Funktion der Schaltung:
Der Transistor T1 übernimmt wesentlich die Spannungsverstärkung der Endstufe. Diese wird maßgeblich vom Verhältnis R5/R6 bestimmt, da R6 eine Gegenkopplung des Ausgangssignals vornimmt. Der parallele Kondensator C4 verhindert zusammen mit C5 eine mögliche Schwingneigung der Schaltung. Für T1 wäre auch ein weniger leistungsfähiger Transistor als der SF127 einsetzbar, wie z.B. SC236 (30V/0,3W/0,1A) bzw. BC238.
Der Transistor T2 ist der Treiber für die eigentliche Endstufe. Mit dem Einstellwiderstand R7 wird die Mittenspannung am Pluspol von C6 auf halbe Betriebsspannung, hier also 4,5V, eingestellt. Die Kollektorseitige Widerstandskombination geht nicht direkt nach Masse (GND), sondern an den Lautsprecher. Das erhöht die Aussteuerbarkeit von T2. Der kleine Gleichstrom, der durch den Lautsprecher fließt, ist unerheblich für diesen.
T3 und T4 bilden die Gegentaktendstufe. Die Basis von T3 ist direkt an den Kollektor von T2 gekoppelt. Die Basis von T4 bekommt einen mit R8 einstellbaren Potentialversatz. Damit wird der Ruhestrom der Endstufe auf 5mA eingestellt. Die parallel zu R8 liegenden Dioden bewirken in Verbindung mit R10/R11 eine Temperaturkompensation des Ruhe-stromes. C7 verringert den dynamischen Innenwiderstand der Stromquelle.
Die Schaltung kann mit Batterien oder einem kleinen 9V-Netzteil betrieben werden. Auf Grund der relativ geringen Stromaufnahme sind 2 Flachbatterien 3R12 mit je 4,5V eine gute Wahl. Mit einem 9V-Block funktioniert die Endstufe auch, wird damit aber keine allzu lange Betriebszeit erreichen.

Die wichtigsten Daten der Halbleiter:
– SF127: 66V/0,6W/0,5A    Vergleichstyp: BC140
– KF517: 40V/0,7W/1A        Vergleichstyp: BC160
– SAY30: 30V/30mA            Vergleichstyp: 1N4148